Die kritische Standortbestimmung

In Ihrer Vergangenheit liegt der Schlüssel für Ihre Zukunft.

Grundregel Nummer eins für die Bewerbung von Führungskräften ist die gezielte Klärung Ihrer speziellen Ausgangsposition und daraus die perfekte Vorbereitung auf die Bewerbungssituation. Verdeutlichen Sie sich, dass jeder Schritt, jede Aktivität im Bewerbungsverfahren gleichzeitig eine Art Arbeitsprobe ist.
Zunächst steht eine elementare Bestandsaufnahme, Ihre persönliche Standortbestimmung im Vordergrund mit Fragen wie:

  • Was liegt an Ausbildungs- und Berufserfahrungen hinter Ihnen?
  • Was hat Ihre beruflichen Entscheidungen in der Vergangenheit geprägt?
  • Wie schätzen Sie sich und Ihre Fähigkeiten ein?
  • Welche Erwartungen an Ihre berufliche und private Zukunft haben Sie?
  • Wie realistisch sind diese Erwartungen?

Was liegt an Ausbildungs- und Berufserfahrungen hinter Ihnen?

Lassen Sie die Stationen Ihres Werdeganges Revue passieren und versuchen Sie zu verstehen, warum Sie sich an den einzelnen Stationen für einen bestimmten Weg oder eine bestimmte Richtung entschieden haben. Meist waren mit solchen Entscheidungen konkrete Erwartungen verknüpft, Erwartungen an Ihre Arbeitsinhalte, an Aufstiegsmöglichkeiten, Verantwortungsspielräume usw.. Einige dieser Erwartungen wurden wahrscheinlich erfüllt, andere nicht. Wie sind Sie damit umgegangen? Haben Sie sich arrangiert? Sind Sie andere Wege gegangen, um Ihre Erwartungen doch erfüllt zu sehen? Waren Ihre Erwartungen vielleicht überzogen?

Was hat Ihre beruflichen Entscheidungen in der Vergangenheit geprägt?

Überlegen Sie, wie die Entscheidungen über Ihren Weg letztlich zu Stande gekommen sind. Waren sie die logische Konsequenz Ihres eigenen Roten Fadens, oder waren Sie eher zufallsgesteuert? Waren Ihnen die beruflichen Dinge wie Branche, Funktion und Ruf der Firma wichtig oder wollten Sie vor allem Ihren Freundeskreis behalten und nicht umziehen? Wollten Sie kurzfristig viel Geld verdienen und einen hohen Status erreichen oder ging es Ihnen um eine besonders spannende Aufgabe? Seien Sie hier mit sich selbst schonungslos und offen. Es geht hierbei um Ihr Leben und Ihre Zukunft. Wie Sie sich später auf dem Arbeitsmarkt darstellen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wie schätzen Sie sich und Ihre Fähigkeiten ein?

Sicherlich haben Sie im Laufe Ihres Werdeganges zahlreiches Feedback zu Ihren persönlichen Stärken und Schwächen erhalten. Fassen Sie dieses Bild sowohl aus fremder als auch aus Ihrer eigenen Sicht zusammen. Ein gutes Gerüst kann Ihnen z.B. der Meyer Briggs Typentest oder der KARENT Strengthfinder geben. Typische Fragen, die Sie beantworten sollten: Sind sie eher analytisch? Genau? Strategisch? Entscheidungsstark? Arbeiten Sie gerne sehr unabhängig oder schätzen Sie klare Regeln...?

Welche Erwartungen an Ihre berufliche und private Zukunft haben Sie?

Um die Frage „Was will ich?“ zu beantworten, sollten Sie sich genügend Zeit nehmen. Ihr Ergebnis hilft Ihnen zielgerichtet einen neuen Arbeitgeber zu finden. Auf den ersten Blick scheint die Antwort leicht zu fallen. Bei genauerem Nachdenken werden Sie merken, dass Sie viel eher wissen, was Sie nicht wollen, als dass Sie positiv formulieren können, was Sie sich wünschen. Gewiss: Sie suchen einen Arbeitgeber, bei dem Sie nicht wieder auf die Probleme stoßen, die Ihnen an Ihrem jetzigen Arbeitsplatz zu schaffen machen. Überlegen Sie also, welche Bedingungen Ihnen absolut wichtig sind, worauf Sie verzichten könnten, zu welchen Kompromissen Sie bereit wären etc.

Was ist möglich?

Wohl jeder Mensch neigt dazu, in einer persönlichen und beruflichen Übergangs- oder Krisensituation seinen Handlungsspielraum und seine Gestaltungsmöglichkeiten zu unterschätzen. Bedauerlicherweise sind wir es häufig selbst, die uns im Wege stehen. Wir selbst hemmen uns in einer solch wichtigen Situation in unseren Aktivitäten. Dabei geht es doch um so Wichtiges wie die Verwirklichung der individuellen beruflichen Identität. Bringen Sie die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Analysen auf den Punkt. Nehmen Sie nicht nur Ihren eigenen Realitätssinn zum Maßstab, sondern beziehen Sie auch andere Personen (Lebenspartner, Freunde, Bekannte) in Ihre Überlegungen ein (Networking). Vermeiden Sie die oft anzutreffende Haltung „Ich mache alles, damit ich nur schnell wieder einen Job bekomme...“. Mit dieser Haltung überzeugen Sie keinen potentiellen Arbeitgeber, denn die wollen Mitarbeiter, die wissen, was Sie wollen und selbstbewusst auftreten.